Internationale virtuelle Teamarbeit an der Hochschule Anhalt
Am 5. Oktober fand unter der Leitung von Prof. Dr. Kashtanova, Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung, eine abschließende Videokonferenz zur Auswertung des Kurses „International Project Management and Global Teaming“ statt. Dabei trafen sich sieben Studenten der Hochschule Anhalt und vier Studierende der Kennesaw State University in den USA mit ihren Professoren am Fernsehbildschirm, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Alle nahmen mit weiteren Studierenden im Sommer 2009 an diesem Projekt teil, um sich im internationalen Business, Projekt Management, E-Teaming und interkultureller Kommunikation auf reiner Online-Basis zu üben.
Als die amerikanische Gruppe auf dem Bildschirm erscheint, wird sie herzlich begrüßt.
Die Studenten tauschen die Ergebnisse ihrer Businesskonzepte aus, in denen es um Markteinführungsstrategien spezieller Produkte in einem Land geht, wie z. B. den Verkauf von Biodiesel in Chile, die Vermarktung von Bionade in Südafrika oder die Etablierung einer Solarenergieproduktion in Indien. Die Konzepte wurden in kleinen internationalen Teams entwickelt, deren Mitglieder sich sowohl vom Alter und Bildungshintergrund als auch kulturell und sprachlich sehr unterschieden. Die einzige gemeinsame Basis bildete ein anfängliches Online-Studium über modernes Projektmanagement mit Vorlesungen und Aufgaben.
Nicht nur die intensive Auseinandersetzung mit komplexen Themen der globalen Wirtschaft und die Schaffung verwertbarer Wirtschaftskonzepte innerhalb einer Woche, sondern auch Teambildungsprozesse und Kommunikationsorganisation bildeten hier besondere Heraus-forderungen. Wie kommuniziere ich mit Jemandem am anderen Ende der Welt, der schlafen gehen will, wenn ich aufstehe? Selten trafen sich die Team-Mitglieder alle zusammen online. Der Informationsaustausch erfolgte oft zwischen wenigen Leuten und trotzdem mußten alle informiert sein.
Die kontinuierliche Vorbereitung und ein ständiges „up-to-date“ mit den Projektgegeben-heiten sind notwendig, um auch aus dem Augenblick heraus gut reagieren zu können. Prof. Dr. Elke Leeds von der Kennesaw State University betonte dabei die gelungene Simulation einer lebensechten Business-Situation, in der industriegerecht schnelle und qualitativ hochwertige Ergebnisse geliefert werden müssen.
Die Studenten haben Einiges gelernt: Gegensätzliches in Übereinstimmung zu bringen, Unerwartetes erwartet machen, das Projektziel zu finden und dabei zu bleiben und vor allem, Wissen praktisch anzuwenden, um damit Probleme zu lösen. „On-the-fly-working - spontan und direkt – das gefiel mir!“, wirft Michael Kretzschmar in die Runde. Die amerikanische Studentin Malenia Calhoun antwortet darauf: „...aber auch die Zeit haben, über etwas nach-zu denken, ist wichtig.“
Der Zugang zu realen Projekten und Lebenssituationen erweitert den eigenen Horizont, setzt Kräfte frei, zeigt aber auch die eigenen Schwächen auf. Viele Studenten staunen über die Qualität, die sie erreicht haben - nicht ohne die intensive Betreuung durch die Professoren. Sie sind sich aber auch über Schwierigkeiten sowohl im formalen Prozess als auch mit sich selbst klar geworden. Sie konnten ihre eigenen Reaktionen und die der anderen auf wechselnde Gegebenheiten beobachten.
Auch die sprachliche Verständigung in ihrer Verflechtung zwischen Projekt- und Fachsprache mit der persönlichen Ebene zwischen den Team-Mitgliedern stellte einen wichtigen Diskussionspunkt dar. Redewendungen und Slang-Sprache können zu lustigen Situationen und Aha-Effekten führen und machen dabei deutlich, daß Sprachbarrieren nicht nur durch das konkrete sprachliche Können, sondern auch durch die gemeinsame Idee einer Kommunikation - das gegenseitige Verstehen auf einer tieferen Basis - überwunden werden können.
Prof. Elena Kashtanova fasste die Ergebnisse zusammen: „Über die zunehmende transatlantische Kooperation - die Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa - wird viel gesprochen. Dieses Projekt half uns dabei, bestehende Herausforderungen zu testen und in Vorteile umzuwandeln.“ Dabei meinte sie nicht nur den enormen Lerneffekt für die Studenten, sondern auch für die betreuenden Professoren. Sheb True, Professor für Marketing und Associate Dean of Graduate Business & Executive Programs in the Coles College of Business, betonte zudem, daß die Hochschule Anhalt ein strategischer Partner der Universität Kennesaw darstellt, die selbst ihre Internationalität ausbauen möchte. Mit der Hochschule Anhalt wurden neue, zukunftsorientierte Formen des Studiums geschaffen.
Dieses Pilotprojekt, das 2009 mit dem „Tommy and Beth Holder Faculty Award“ an der Kennesaw State University für Innovationen in der Ausbildung ausgezeichnet wurde, stellt mit seinen Synergieeffekten angesichts einer immer globaleren Welt einen weiteren Schritt zu mehr notwendiger Internationalität an den Hochschuleinrichtungen dar.
Einziger kleiner Nachteil: „Online können wir kein Bier zusammen trinken...“.


